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Der Begriff Kunststoff ist nicht eindeutig bestimmt. Während der Begriff „Kunststoffe“ in der jüngeren Zeit oft mit den polymeren Werkstoffen verbunden wird, kann er auch der Beschreibung bestimmter synthetischer und halbsynthetischer Materialien dienen [PlasticsEurope]. Im Englischen wird er mit dem Wort „plastics“ übersetzt [PONS]. Auch im Deutschen werden die Begriffe „Kunststoff“ und „Plastik“ häufig synonym verwendet. Beide Begriffe sind jedoch unvollständig. Während das Wort „Kunststoffe“ eine klare Differenzierung zu natürlich vorkommenden Stoffen schafft, wird keine klare Unterscheidung zu den ebenfalls künstlichen Werkstoffen Glas, Metall und Papier hergestellt. Der Begriff „Plastik“ trennt diese Werkstoffe zwar aufgrund ihrer plastischen Eigenschaften vom Plastik, doch werden beispielsweise keine Kunststoffharze eingeschlossen. Die fortan betrachteten Kunststoffe lassen sich jedoch durch jeweils einen der beiden Begriffe treffend beschreiben. Die Bezeichnungen werden dabei synonym zueinander verwendet und können entsprechend ersetzt werden. | Der Begriff Kunststoff ist nicht eindeutig bestimmt. Während der Begriff „Kunststoffe“ in der jüngeren Zeit oft mit den polymeren Werkstoffen verbunden wird, kann er auch der Beschreibung bestimmter synthetischer und halbsynthetischer Materialien dienen [PlasticsEurope]. Im Englischen wird er mit dem Wort „plastics“ übersetzt [PONS]. Auch im Deutschen werden die Begriffe „Kunststoff“ und „Plastik“ häufig synonym verwendet. Beide Begriffe sind jedoch unvollständig. Während das Wort „Kunststoffe“ eine klare Differenzierung zu natürlich vorkommenden Stoffen schafft, wird keine klare Unterscheidung zu den ebenfalls künstlichen Werkstoffen Glas, Metall und Papier hergestellt. Der Begriff „Plastik“ trennt diese Werkstoffe zwar aufgrund ihrer plastischen Eigenschaften vom Plastik, doch werden beispielsweise keine Kunststoffharze eingeschlossen. Die fortan betrachteten Kunststoffe lassen sich jedoch durch jeweils einen der beiden Begriffe treffend beschreiben. Die Bezeichnungen werden dabei synonym zueinander verwendet und können entsprechend ersetzt werden. | ||
Kunststoffe setzen sich zusammen aus einem Polymer und Zusatzstoffen. Letztere verleihen dem Kunststoff seine anwendungsbezogenen Eigenschaften. Die Polymere können entweder aus der Natur gewonnen werden oder durch Polymersynthese synthetisch hergestellt werden. [Menges et al. 2014, S. 8] | Kunststoffe setzen sich zusammen aus einem Polymer und Zusatzstoffen. Letztere verleihen dem Kunststoff seine anwendungsbezogenen Eigenschaften. Die Polymere können entweder aus der Natur gewonnen werden oder durch Polymersynthese synthetisch hergestellt werden. [Menges et al. 2014, S. 8] | ||
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Version vom 25. August 2021, 16:13 Uhr
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Der Begriff Kunststoff ist nicht eindeutig bestimmt. Während der Begriff „Kunststoffe“ in der jüngeren Zeit oft mit den polymeren Werkstoffen verbunden wird, kann er auch der Beschreibung bestimmter synthetischer und halbsynthetischer Materialien dienen [PlasticsEurope]. Im Englischen wird er mit dem Wort „plastics“ übersetzt [PONS]. Auch im Deutschen werden die Begriffe „Kunststoff“ und „Plastik“ häufig synonym verwendet. Beide Begriffe sind jedoch unvollständig. Während das Wort „Kunststoffe“ eine klare Differenzierung zu natürlich vorkommenden Stoffen schafft, wird keine klare Unterscheidung zu den ebenfalls künstlichen Werkstoffen Glas, Metall und Papier hergestellt. Der Begriff „Plastik“ trennt diese Werkstoffe zwar aufgrund ihrer plastischen Eigenschaften vom Plastik, doch werden beispielsweise keine Kunststoffharze eingeschlossen. Die fortan betrachteten Kunststoffe lassen sich jedoch durch jeweils einen der beiden Begriffe treffend beschreiben. Die Bezeichnungen werden dabei synonym zueinander verwendet und können entsprechend ersetzt werden.
Kunststoffe setzen sich zusammen aus einem Polymer und Zusatzstoffen. Letztere verleihen dem Kunststoff seine anwendungsbezogenen Eigenschaften. Die Polymere können entweder aus der Natur gewonnen werden oder durch Polymersynthese synthetisch hergestellt werden. [Menges et al. 2014, S. 8]
Rohstoffe/Werkstoffe
Produkt
Nutzung
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Wiederverwendung (Reuse) von KunststoffenDie Wiederverwendung eines Produktes ist definiert als „die wiederholte Verwendung eines Produktes für denselben Verwendungszweck“ [Baur et al. 2019, S. 58]. Beispiele für die Wiederverwendung von Kunststoffprodukten sind das Pfandsystem für PET-Flaschen oder das mehrmalige Verwenden einer Einkaufstüte aus Kunststoff einschließlich der letztendlichen Verwendung als Mülltüte. Außerdem können Kunststoffbauteile von Elektronikgeräten wie Autoradios als Reparaturteile aufbewahrt und wiederverwendet werden. Alte Pflanztöpfe lassen sich problemlos auswaschen und erneut zum gleichen Zweck nutzen. Aufbereitung und Recycling von KunststoffenKunststoffabfälle stammen aus Industrie und Handel, Landwirtschaft und aus Haushalten. Die Abfälle aus Industrie und Handel bestehen oft aus den gleichen Kunststoffarten. Sie weisen eine für das Recycling wichtige Eigenschaft auf, die Sortenreinheit. Deshalb sind Abfälle aus diesen Bereichen leicht wieder zu verwerten. Gängige Abfälle sind Kanister, Fässer, Schrumpfhauben, Schaumpolystyrol und Verpackungsfolien. Die aus der Landwirtschaft stammenden Kunststoffabfälle sind ebenfalls sortenrein. Sie bestehen aus Mulchfolien und Silofolien. Mulchfolien werden verwendet um Felder abzudecken und mit Silofolien werden temporäre Silos zur Grünfutter-Konservierung hergestellt. Problematisch sind die Abfälle, die aus den Haushalten stammen. Sie werden nicht getrennt gesammelt und sind daher nicht sortenrein und stark verschmutzt. Sie zu trennen und zu reinigen erfordert viel Aufwand und bringt hohe Kosten mit sich. [Brandrup 1995, 213 f.] löhr 2012; 1:1 Der ursprüngliche Kunststoffrohstoff liegt in der Regel in Granulat- oder Pulverform vor. Ein Korngrößenintervall von 0,05 mm bis 0,8 mm definiert die Größe der Pulverform. Das Bestreben einer geeigneten Wiederverwertung zielt darauf, eine Teilchenform und -größe zu erzeugen, die dem gebräuchlichen Kunststoffrohstoff entspricht, weshalb im Normalfall eines Recyclingprozesses immer eine Zerkleinerung der Kunststoffreststoffe stattfindet [Brandrup 1995, S. 204–210]. Für die Zerkleinerung von Kunststoffen, speziell der Verbundwerkstoffe, gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Bewältigung dieser Aufgabe. Thermoplasten lassen sich aufgrund ihres plastischen Verhaltens wieder aufschmelzen. Daher eignen sie sich für die werkstoffliche Wiederverwertung und können so direkt einen zweiten Formgebungsprozess durchlaufen. Duroplasten und Elastomere werden dagegen aufgrund ihrer eng vernetzten Struktur in der Regel durch maschinelle Zerkleinerung beansprucht und später als Füllstoffe Neuwaren zugemischt. [Baur et al. 2019, S. 55–70] wagner 2012; 1:1 Bei der „werkstofflichen Wiederverwendung“ handelt es sich um die Verwendung von Kunststoff-Abfällen nach der Aufbereitung zu neuen Formmassen. Allerdings dürfen manche Kunststoffe aufgrund von Behandlungen mit Flammschutzmitteln nicht wiederverwendet werden (siehe z.B. EPS). Das werkstoffliche Recycling lässt nun die Makromoleküle der polymeren Werkstoffe weitestgehend unberührt und zielt auf deren Erhaltung ab. Es stützt sich auf die Verwendung von ausschließlich physikalischen Behandlungen wie Compoundieren, Granulieren, Filtern oder Aufschmelzen. Der so gewonnene Sekundär-Kunststoff wird auch als Rezyklat bezeichnet. Für das werkstoffliche Recycling eignen sich nur Thermoplasten, da diese als einzige Kunststoffart nicht vernetzt sind und sich daher unter Temperaturerhöhung neu formen lassen. Bei Duroplasten und Elastomeren ist dagegen keine Umformung möglich. Stattdessen können sie nur nach der Verarbeitung zu Mahlgut als Füllstoff genutzt werden. Dies wird dann als „Partikelrecycling“ bezeichnet. [Baur et al. 2019, S. 58–62] Das rohstoffliche Recycling setzt auf molekularer Ebene an, aber bemüht sich um eine größtmögliche Erhaltung und Wiederverwendung der chemischen Struktur der Polymere. Dagegen wird bei der energetischen Verwertung ausschließlich der Energiegehalt der Kunststoffabfälle genutzt. Oft fehlt es bei rohstofflichen Recycling noch am Rücklaufmaterial. Diese Form des Recyclings lässt sich auf zwei Arten vollbringen:
Dazu stehen fünf Verfahren zur Verfügung. Bei den thermischen Verfahren kommt es zur thermischen Depolymerisation von z.B. Acrylharzen wie PMMA. Solvolytische Verfahren attackieren dagegen die Verbindungsstellen von Polymeren auf hydrolytische, saure, basische, alkoholische oder aminische Art. In der Pyrolyse erfolgt die Zersetzung der Kohlenwasserstoffketten unter Abwesenheit von Sauerstoff im Temperaturbereich von 500 - 850°C. Bei der Hydrierung werden die Kohlenwasserstoffe durch Sättigung und Cracken der Makromoleküle in einen gasförmigen Aggregatzustand gebracht. Während die Hydrierung mit hohem technischem und wirtschaftlichem Aufwand verbunden ist, bietet sie auch die Möglichkeit auf die Vorbehandlung zur Entfernung von Chlor und Stickstoff zu verzichten. Das letzte Verfahren ist die Vergasung. Hier werden die Kohlenwasserstoffe unter Luftzutritt bei 1000 – 1200°C behandelt, was zu deren Aufspaltung in die kleinstmöglichen Einheiten führt. [Baur et al. 2019, S. 67–68] Für Aufbereitung und Verwertung ist zunächst eine Rückführung des Materials sicherzustellen. Diese ist bei Kunststoffabfällen Stand der Technik, entweder als Angussrückführung oder als Zuführung von Mahlgut zum Neugranulat. Die Schwierigkeit liegt in der Sortenreinheit. Gemischte und verunreinigte Kunststoffe lassen sich nur eingeschränkt für die Herstellung von Formteilen ohne große Qualitätsanforderungen verwenden. Allerdings gehört die sortenreine Sammlung von PVC-Profilen und PET-Flaschen bereits zum Standard. [Baur et al. 2019, S. 59–60] Als letztes Mittel der Verwertung von Kunststoffabfällen sieht das Kreislaufwirtschaftsgesetz die energetische Verwertung vor. Kunststoffabfälle besitzen viel chemisch gebundene Energie, die bis zu 60 % der Produktionsenergie zurückliefern kann. Die Probleme der energetischen Verwertung sind mit den Halogenen und der de-novo-Synthese jedoch kritisch für die Umweltverträglichkeit der energetischen Nutzung von Kunststoffabfällen. Es ergibt sich unter anderem ein Bedarf an technisch aufwändiger Abgasreinigung und spezieller Temperaturregulierung im Kessel. Daher werden Abfälle bei der energetischen Verwertung zunächst zu spezifischen Sekundärbrennstoffen aufbereitet. Speziell für Kunststoffe bedeutet dies die Reduzierung von PVC, bis der Chlor-Anteil am Brennstoff unter 0,5 Gew.-% liegt. Dazu legt die Gütegemeinschaft RAL-GZ 754 Spezifikationen und Verfahren für Sekundärbrennstoffe fest. [Baur et al. 2019, S. 69–70] |
Literaturverzeichnis
Abts, Georg (2016): Kunststoff-Wissen für Einsteiger. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. München: Hanser.
Baur, Erwin; Harsch, Guenther; Moneke, Martin (2019): Werkstoff-Führer Kunststoffe. Eigenschaften - Prüfungen - Kennwerte. 11., aktualisierte Auflage. München, © 2019: Hanser.
Brandrup, Johannes (Hg.) (1995): Die Wiederverwertung von Kunststoffen. München: Hanser.
Engelsmann, Stephan; Spalding, Valerie; Peters, Stefan (2010): Kunststoffe in Architektur und Konstruktion. Basel: Birkhäuser.
EWG, 93/67/EWG, 93/105/EG und 2000/21/EG der Kommission. REACH-V, vom 18.12.2006 2006. Online verfügbar unter https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CONSLEG:2006R1907:20121009:DE:PDF, zuletzt geprüft am 19.07.2021.
Kalweit, Andreas; Paul, Christof; Peters, Sascha; Wallbaum, Reiner (2012): Handbuch für Technisches Produktdesign. Material und Fertigung, Entscheidungsgrundlagen für Designer und Ingenieure. 2., bearb. Aufl. Berlin: Springer (VDI-Buch).
Menges, Georg; Haberstroh, Edmund; Michaeli, Walter; Schmachtenberg, Ernst (2014): Menges Werkstoffkunde Kunststoffe. Unter Mitarbeit von Georg Menges, Walter Michaeli, Edmund Haberstroh und Ernst Schmachtenberg. 1. Aufl. s.l.: Carl Hanser Fachbuchverlag.
PlasticsEurope (Hg.): Was sind Kunststoffe? Online verfügbar unter https://www.plasticseurope.org/de/about-plastics/what-are-plastics, zuletzt geprüft am 08.06.2021.
PONS (Hg.): Übersetzung "Kunststoff". Online verfügbar unter https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-englisch/Kunststoffe.
Schwarz, Otto; Ebeling, Friedrich Wolfhard; Huberth, Harald; Richter, Frank; Schirber, Harald; Schlör, Norbert (2016): Kunststoffkunde. Aufbau, Eigenschaften, Verarbeitung, Anwendungen der Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere. 10., überarbeitete Auflage. Würzburg: Vogel Buchverl. Online verfügbar unter https://www.content-select.com/index.php?id=bib_view&ean=9783834362032.
Umweltbundesamt (Hg.) (2015): Sortierung und Aufbereitung von Leichtverpackungen. Online verfügbar unter https://www.cleaner-production.de/images/BestPractice/data_de/PWP.pdf, zuletzt geprüft am 10.07.2021.
Umweltbundesamt (Hg.) (2020): Verpackungsabfälle. Online verfügbar unter https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/verpackungsabfaelle#eu-vorgaben-zur-verwertung-werden-erhoht, zuletzt geprüft am 17.06.2018.
Weißbach, Wolfgang; Dahms, Michael; Jaroschek, Christoph (Hg.) (2018): Werkstoffe und ihre Anwendungen. Metalle, Kunststoffe und mehr. 20., überarbeitete Auflage. Wiesbaden: Springer Vieweg (Lehrbuch).