Entsorgungsstrukturen
Entsorgungslogistik
Die Entsorgungslogistik beinhaltet unter anderem Systeme zum räumlichen und zeitlichen Transfer von Stoffströmen vom Entstehungsort bis hin zum endgültigen Verbleib. Dabei werden Schnittstellen zwischen den Abfallerzeugern und den Einrichtungen die der Aufbereitung, der Verwertung und der Beseitigung dienen, gebildet. Der Kernprozess der Entsorgungslogistik beinhaltet die Erfassung, die Sammlung, den Transport, den Umschlag und die Lagerung der Abfälle.
Die Tätigkeiten der Sammlung und des Transportes werden umgangssprachlich oft unter dem Begriff der Abfuhr zusammengefasst. Die getrennte Erfassung von Wertstoffen ist für die Kommunen unabkömmlich, um ein sinnvolles Wertstoffmanagement vollziehen zu können. Innerhalb des ZEW erfolgt dies im Wege eines additiven Systems. Dies bedeutet, dass die Wertstoffabfuhr getrennt von der Restmüllabfuhr in separaten Behältern und Fahrzeugen erfolgt. [1] (1:1 ausGatzen, 2010)
Holsystem
Bei einem Holsystem werden die anfallenden Abfälle unmittelbar ab dem Grundstück des Abfallerzeugers durch die Kommune oder beauftragte Dritte abgeholt. Die Sammlung erfolgt dabei nach dem Prinzip des Umleer- oder Einwegverfahrens.
Der größte Vorteil des Holsystems ist der hohe Komfort, der den Benutzern geboten wird. Für den Verbraucher sinkt durch die haushaltsnahe Sammlung der für Ihn mit der Entsorgung seiner Abfälle entstehende Aufwand. Zeitgleich steigt dadurch für die Kommune die Erfassungsquote. Unterschiedliche Abfuhrrhythmen erfordern jedoch eine Zwischenlagerung der Abfälle, durch die der Haushalt des Abfallerzeugers sowohl räumlich, als auch hygienisch beeinträchtigt wird. Die zur Abfuhr der Abfälle verwendeten Sammelfahrzeuge müssen oftmals große Wegstrecken zurücklegen. Ferner kommt es durch die Sammeltätigkeiten zu Behinderungen im Straßenverkehr. [1] [2] (1:1 aus Gatzen, 2010)
Bringsystem
Im Rahmen eines Bringsystems werden die anfallenden Abfälle auf dem Grundstück des Abfallerzeugers gesammelt. Die Entsorgung dieser Abfälle erfolgt durch den Erzeuger, indem sie haushaltsnahe Sammelbehälter, den so genannten Depotcontainer, oder zentrale Sammelstellen in Form von Wertstoff- oder Recyclinghöfe nutzen. Als Depotcontainer werden in der Regel Umleerbehälter eingesetzt, wohingegen auf Wertstoff- oder Recyclinghöfen Wechselbehälter zum Einsatz kommen.
Durch die Anwendung des Bringsystems wird eine höhere Reinheit der Wertstoffe erzielt. Dies wird vor allem durch das Aufsichtspersonal an den Höfen erlangt. Darüber hinaus besteht für die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, sich zeitnah Ihrer Abfälle zu entledigen, losgelöst von dem in einem Holsystem vorgegebenen Abfuhrrhythmus. Die Wege der Sammelfahrzeuge zu den einzelnen Sammelstationen sind im Vergleich zum Holsystem kurz. Weiterhin können die Standorte verkehrstechnisch günstig gewählt werden. Als nachteilig erweist sich jedoch der höhere Entsorgungsaufwand für den Abfallerzeuger. Dieser muss mobil sein und längere Wege auf sich nehmen. Zusätzlich kann es an den Sammelstellen zeitweise zu erhöhten Lärm- und Geruchsemissionen kommen. Wertstoff- und Recyclinghöfe fordern darüber hinaus einen hohen Platzbedarf und sind somit sehr kostenintensiv. [1] [2] (1:1 aus Gatzen, 2010)

Entsorgungsfahrzeuge
Es gibt verschiedene Arten von Fahrzeugen die zur Abholung des Abfalls im Holsystem verwendet werden. Das klassische Müllfahrzeug ist der Pressmüllwagen. Durch das erdichten der Abfälle sorgt er für eine hohe Kapazität [7] Unter dem Link Funktionsweise Pressmüllwagen wird die Funktionsweise eines Pressmüllwagens mit Hecklader mithilfe eines Videos verdeutlicht.
Ein weiteres Müllfahrzeug ist das Walking-Floor-Fahrzeug oder auch Schubbodenfahrzeug. Diese können seitlich Beladen werden und haben ein großes Fassungsvermögen. Dadurch eignet sich zum Beispiel der Transport von Papier. [7] Die Funktionsweise eines Walking-Floor-Fahrzeuges ist in folgendem Video dargestellt: Funktionsweise Walking-Floor-Fahrzeug .
Seltener kommen Absetzkipper zum Einsatz, bevorzugt in der Baubranche. Durch Hubarme können die geladenen Container gekippt oder gewechselt werden. [8]
Entsorgungsstrukturen in Deutschland

In Abbildung 1 sind die Erfassungsstrukturen von Wertstoffen in Deutschland dargestellt. Die grau gekennzeichnete Abfallfraktion Restmüll wird in Deutschland ausnahmslos in der sogenannten „Grauen Tonne“ oder „Restmülltonne“ erfasst. In dieser Tonne sollen alle Stoffe und Materialien erfasst werden, die nicht einer getrennten Verwertung zugeführt werden können oder aufgrund von Verunreinigungen den folgenden Erfassungssystem nicht zugeordnet werden sollen, wie z. B. Kehricht oder Hygieneartikel. In der „Blauen Tonne“ wird die hier blau markierte Abfallfraktion Papier/Pappe/Kartonagen erfasst. Die in Abb.1 gelb gekennzeichnete Abfallfraktion der Verpackungsabfälle wird in Deutschland über die Dualen Systeme erfasst. Die Dualen System sind seit der Einführung der Verpackungsverordnung 1991 eines der wichtigsten Erfassungssysteme. Sie sind für die Entsorgung von Leichtverpackungen im Erfassungssystem der Gelben Tonne bzw. des Gelben Sacks verantwortlich. Altglas wird im Bereich der Siedlungsabfälle ausnahmslos über Bringsysteme in Altglascontainer entsorgt. Hierbei wird zwischen Weiß-, Grün-, und Braunglas unterschieden. Die grün gekennzeichnete Fraktion der Bioabfälle kann, sofern verfügbar in einer Biotonne entsorgt werden. In einer Biotonne können alle organischen Abfälle aus Küche und Garten entsorgt werden.
Alle anderen verwertbaren Materialien wie z. B. Holz oder Elektroschrott können in Deutschland entweder zu Wertstoffhöfen gebracht oder über den Sperrmüll entsorgt werden. In vielen Fällen stehen auf Wertstoffhöfen aber auch Erfassungssysteme für viele weitere Fraktionen wie z. B. PPK, Glas, Kunststoffe, Metalle u.s.w. zur Verfügung. [10] (1:1 aus Blum, 2014)
Duale Systeme
Die Entstehung der Dualen Systeme in Deutschland basiert auf der 1991 eingeführten Verpackungsverordnung. Ziel war es, dem stetigen Anstieg der Verpackungsabfallmengen entgegenzuwirken und damit die natürlichen Rohstoffquellen zu schonen. Dahingehend verpflichtete die Bundesregierung die Hersteller und Vertreiber von Verpackungen dazu, auch für die fachgerechte Entsorgung Verantwortung zu tragen. Mit der Festlegung von Rücknahme- und Verwertungsauflagen gründeten die Hersteller und Vertreiber Unternehmen, die die Rücknahme der Verpackungen organisierten. Für die Wirtschaft wäre die zentrale Sammlung der Verpackungsabfälle in den Geschäften aufwändig und kostenintensiv gewesen. [11]
Bis heute haben sich 9 Duale Systeme in Deutschland gebildet. [12] Das erste Rücknahmesystem war der ‚‘‘grüne Punkt‘‘ oder auch Duales System Deutschland genannt. Die Marktanteile Stand September 2020 an der Erfassung von Verpackungsabfällen aus Leichtverpackungen, Glas und PPK sind in Abb. 2 dargestellt. Bei der Betrachtung der Marktanteile wird deutlich, dass das Duale System Deutschland – DSD –, welches in Deutschland überwiegend durch den „grünen Punkt“ bekannt ist, mit 18,33% den höchsten Marktanteil der Unternehmen besitzt. Das liegt daran, dass das DSD viele Jahre eine Monopolstellung in Deutschland hatte. Erst im Jahre 2001 sorgte eine Kommission die Europäischen Union dafür, dass dieses Monopol aufgehoben wurde und sich weitere Duale Systeme bilden konnten. [13]
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Da die Dualen Systeme verpflichtet sind, alle Verpackungen in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen, beteiligen sie sich an den Erfassungssystemen für PPK und Glas der öffentlich rechtlichen Entsorgungsträger. Im Folgenden wird deswegen nur detailliert auf die Erfassung von Verpackungsabfällen aus Kunststoff und Metall sowie deren Verbundstoffe im gelben Sack bzw. in der gelben Tonne eingegangen. [15] (1:1 aus Blum, 2014)
Wertstofftonne
Das System der Wertstofftonne ist in Deutschland schon über viele Jahre bekannt. Beispielsweise wurde ein System „Wertstofftonne“ in Karlsruhe bereits vor 1992 eingeführt. Seit der Novellierung des KrWG im Jahre 2012 und der damit verbundenen Verpflichtung, Papier-, Metall-, Kunststoff- und Glasabfälle getrennt zu erfassen, ist die bundesweite Einführung einer Wertstofftonne geplant. Aktuell lässt sich aber noch keine einheitliche Definition für ein Erfassungssystem Wertstofftonne aufstellen. Lediglich über das Ziel ist sich die Politik einig: ein Erfassungssystem zu entwickeln, welches vor allem die verwertbaren stoffgleiche Verpackungen und stoffgleiche Nicht-Verpackungen getrennt vom Restmüll erfasst und der Kreislaufwirtschaft zuführt. Außerdem soll das System für den Benutzer leicht verständlich sein, hohe Fehlwurfraten verringern und ein hochwertiges Recycling gewährleisten. [11] (1:1 aus Blum, 2014)
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Quellenangaben
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Roos HJ. Logistikkonzept. Aachen; 2009.
- ↑ 2,0 2,1 Würz W. Verfahrenstechnik Konzeption der Entsorgungstechnik. Müllhandbuch 2005(03/05).
- ↑ Cord-Landwehr K. Sammlung und Transport von Abfall und Wertstoffen. In: Cord-Landwehr K, editor. Einführung in die Abfallwirtschaft. Wiesbaden: Vieweg+Teubner Verlag; 2002, p. 65–96.
- ↑ Landkreis Landsberg am Lech. aktuell 2009(12). Available from: <https://www.abfallberatung-landsberg.de/fileadmin/upload/abfallwirtschaft/dokumente/landkreiszeitung/aktuell_12_fuer_Internet.pdf>.
- ↑ Mannheim und die Müllabfuhr - Wenn das Müllauto ganze Tonnen schluckt. Stuttgarter Zeitung 2014, 16 January 2014. Available from: <https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.mannheim-und-die-muellabfuhr-wenn-das-muellauto-ganze-tonnen-schluckt.efe65a24-3e3b-4d0a-869d-30c350d6c6ee.html>. [July 13, 2021].
- ↑ Advantic Systemhaus GmbH. Wertstoffhof Leichlingen. Available from: <https://www.bavweb.de/Bergischer-Abfallwirtschaftsverband/Entsorgung/Wertstoffh%C3%B6fe/index.php?object=tx,2886.1&ModID=9&FID=2886.233.1&NavID=2886.112&La=1>.
- ↑ 7,0 7,1 Rieger. Passendes Müllfahrzeug für jeden Abfall - das ist der Fuhrpark von Rieger. Available from: <https://www.rieger-entsorgung.at/leistungen-entsorgungsfirma/fuhrpark-muellfahrzeug/>.
- ↑ 8,0 8,1 8,2 Stummer Kommunalfahrzeuge Ges.m.b.H. Produkte – Stummer Kommunalfahrzeuge. Available from: <https://stummer.net/produkte/>.
- ↑ Spedition Michels. Walking-Floor. Available from: <https://www.spedition-michels.de/leistungen/transport/walking-floor>.
- ↑ 10,0 10,1 Blum Y. Systeme zur Erfassung von Wertstoffen aus Siedlungsabfällen in Deutschland – Vergleich ausgewählter Systeme mit dem Dualen System und Betrachtung der Kompatibilität hinsichtlich der Einführung der Wertstofftonne im Jahr 2015. Bachelorarbeit. Aachen; 2014.