R-Strategien

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Version vom 16. Januar 2025, 11:39 Uhr von Mieke Salewski (Diskussion | Beiträge)
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Die R-Strategien wurden entwickelt, um Maßnahmen, die für die Gestaltung einer Circular Economy (CE) nötig sind, zu strukturieren. Der Begriff wird abgeleitet von der Vorsilbe „re“, die bei englischsprachigen Begriffen für „neu“ oder „erneut“ steht. Mithilfe der R-Strategien werden verschiedene Nutzungs- und Verwertungsmaßnahmen hierarchisch nach ihrer Zirkularitätswirkung klassifiziert. Das Ziel der CE- Maßnahmen ist es, den Ressourcenverbrauch sowie Abfälle zu reduzieren und die Kreislaufführung von Materialien zu fördern. Die Geschäftsmodelle der Unternehmen sollen so angepasst werden, dass die derzeitigen Wirtschaftssysteme hin zu einer Circular Economy transformiert werden. [1] In der wissenschaftlichen Diskussion werden verschiedene Konzepte der R-Strategien unterschieden, die sich auch in der Anzahl der Strategien unterscheiden [2]. Von Reike et al.[3] wurden beispielsweise insgesamt 38 verschiedene R-Strategien zur Erreichung einer Circular Economy identifiziert, Kirchherr et al.[2] unterscheiden dagegen 10 R-Strategien. Die verschiedenen Konzepte zu den R-Strategien werden in so genannten Frameworks festgelegt. Ein Framework ist dabei ein System von Regeln, Ideen oder Überzeugungen, das verwendet wird, um etwas zu planen, einzuordnen oder zu entscheiden [4] . Am ANTS beziehen wir uns in der Lehre auf das 9-R-Framework von Kirchherr et al. (2017)[2] das auf den Zirkularitätsstrategien von Potting et al. (2017, S. 5)[1] basiert. Beim 9-R-Framework werden die zehn R-Strategien, R0 bis R9, absteigend nach ihrem Zirkularitätsgrad sortiert. Darauf wird im Folgenden näher eingegangen. Die R-Strategien lassen sich abhängig von ihrer Zirkularität nach drei übergeordneten Leitprinzipien gliedern: dem Schmälern, dem Verlangsamen und dem Schließen von Kreisläufen. Eine hohe Zirkularität bedeutet, dass Materialien lange im Kreislauf gehalten und nach der Entsorgung durch den Endverbraucher, ggf. aufbereitet und mit ihrer ursprünglichen Qualität wiederverwendet werden. Dadurch sinkt der Bedarf an Primärmaterial in der Produktion, da weniger natürliche Ressourcen aufgewendet werden müssen [5]. Durch die erste Leitprinzip „Schmälern“ soll erreicht werden, dass sich die Produktionseffizienz und Nutzungsintensität der Produkte erhöht, sodass der Rohstoffaufwand schon bei der (ersten) Herstellung eines Produkts sinkt. Das Ziel ist, weniger Rohstoffe einzusetzen und den gleichen Gesamtnutzen der Produkte sicher zu stellen. Es werden Produkte, und damit Rohstoffe, eingespart, indem die Herstellung oder Nutzung der Produkte klüger und innovativer umgesetzt wird. Die R-Strategien R0 bis R2 werden nach Kirchherr et al. (2017)[2] diesem Leitprinzip zugeordnet (vgl. Abbildung 1). Mit dem zweiten Leitprinzip „Verlangsamen“ wird das Ziel verfolgt, dass Produkte oder Produktkomponenten länger in der Nutzungsphase verbleiben und sich dadurch ihre Lebensdauer erhöht. Die Rohstoffe werden durch die höhere Lebensdauer länger im Wirtschaftssystem gehalten. Die R-Strategien R3 bis R7 werden diesem Leitprinzip zugeordnet (vgl. Abbildung 1). Mithilfe des dritten Leitprinzips „Schließen“ sollen die Rohstoffe von entsorgten Produkten dem Kreislauf erhalten bleiben. Durch die Gewinnung von Sekundärrohstoffen wird der Einsatz von Primärrohstoffen gesenkt, sodass weniger Rohstoffe der Umwelt entnommen werden.[1] Zum besseren Verständnis der abstrakten R-Strategien wurden in Abbildung 2 anhand des Beispiels „Fahrrad“ die jeweiligen Strategien des 9-R-Frameworks erklärt.

Die R-Strategien dienen als Handlungsempfehlung für Unternehmen, um zirkuläre Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dennoch können die Strategien nicht einfach ins Geschäftsmodell übernommen werden, sondern müssen durch individuelle, innovative Geschäftsideen, die sich an den R-Strategien orientieren, umgesetzt werden. Somit ist es möglich und erwünscht, dass auch mehrere R-Strategien in einem Unternehmen oder Geschäftsmodell umgesetzt werden. [5]


Literaturverzeichnis

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Potting, J., Worrell, E. & Hekkert, M. (2017): Circular Economy: Measuring innovation in the product chain. PBL Netherlands Environmental Assessment Agency.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Kirchherr, J., Reike, D. & Hekkert, M. (2017): Conceptualizing the circular economy: An analysis of 114 definitions. In: Resources, Conservation and Recycling, 127, 221–232. http://dx.doi.org/10.1016/j.resconrec.2017.09.005.
  3. Reike, D., Vermeulen, W. J.V. & Witjes, S. (2018): The circular economy: New or Refurbished as CE 3.0?: Exploring Controversies in the Conceptualization of the Circular Economy through a Focus on History and Resource Value Retention Options. In: Resources, Conservation and Recycling 135, 246–264. DOI: 10.1016/j.resconrec.2017.08.027.
  4. Cambridge Dictionary: Framework. Online verfügbar unter: <https://dictionary.cambridge.org/de/worterbuch/englisch/framework/>, zuletzt geprüft am 16.11.2023.
  5. 5,0 5,1 5,2 Mast, J., von Unruh, F. & Irrek, W. (2022): R-Strategien und Innovation im Circular Economy Management: Unternehmerische Strategien der zirkulären Wertschöpfung. Prospektiven – Neues zur zirkulären Wertschöpfung 2022/04. Prosperkolleg e.V.